Christine Vieth

Moin! So grüßen sich die Menschen hier im schönen Bad Zwischenahn. Da, rund um die St.-Johanneskirche von 1124, mache ich, Christine Vieth, seit September 2015 mein Vikariat.

Ein cooler Pastor und mein Weg zur Ev. Theologie
Nach dem Konfirmandenunterricht habe ich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Wilhelmshaven viele spannende Erfahrungen sammeln dürfen. Irgendwie bin ich auch bei „Kirche Unterwegs“ gelandet und habe dort einen Pastor kennengelernt, der mich sehr beeindruckt hat. Ernsthaft, glaubhaft und doch locker, frisch und herzlich. Das fand ich cool.

Nach dem Abitur war ich ein Jahr in Brasilien und habe dort in einer christlichen Kindertagesstätte für sehr arme Kinder gearbeitet. Auch meine Kollegen dort hatten nicht viel, aber sie dankten Gott für das, was sie hatten und waren fröhlich. Das hat mich tief beeindruckt. Meine Mutter war es dann, die am Telefon das erste Mal den Beruf der Pfarrerin ins Spiel brachte. Ich erinnerte mich an den Pastor von „Kirche Unterwegs“, fand die Idee aber doch erst einmal ganz schön … hmh: krass.

Kurzzeitig dachte ich über ein Studium der Religionspädagogik nach, fand aber auch kein zweites Fach, das ich hätte studieren wollen. Und so wurde es dann doch das Studium der Ev. Theologie auf Pfarramt.

Indonesien, Josef und seine Brüder, Gottesbeweise: Studium
Latein stand zuerst auf dem Plan, im Anschluss Griechisch, Hebräisch und Bibelkunde. Das fiel mir sehr schwer. Geholfen hat mir, dass ich immer wieder Pastoren getroffen habe, die überzeugend und undogmatisch zugleich waren und die eine tolle Gemeindearbeit leisten. Das hat mich in meinem Studienziel bestärkt.

Auch zwei Praktika, eines vor und eines nach der Zwischenprüfung, waren hilfreich. So hielt ich mir immer vor Augen, wozu und mit welchem Ziel ich studiere. Bestärkt und motiviert hat mich immer wieder, dass es Möglichkeiten gibt, Studienveranstaltungen nach eigenem Interesse, eigener Neugier und persönlichen Fragen zu belegen: So erlebte ich z. B. eine Exkursion nach Indonesien, bei der „Intertextuelle Bibelauslegung“ auf dem Plan stand; oder ein Hauptseminar über den Roman Thomas Manns „Josef und seine Brüder“ (ja, wir haben tatsächlich einen Bruchteil des Werkes geschafft!); oder spannende Veranstaltungen am Judaicum; oder ein Philosophieseminar zu den Gottesbeweisen, bei dem wir alle dem Dozenten eine 1+ in der Endbewertung gaben, weil er es schaffte, uns komplizierte Inhalte begreifbar zu machen.

Im Januar 2015 war es dann geschafft: Nach 15 Semestern Theologiestudium hatte ich das Erste theologische Examen bestanden! Ein halbes Jahr Elternzeit folgte, bevor mein Vikariat in Bad Zwischenahn begann.

Jeder Tag sieht anders aus: Ich mag das sehr!
Vikariat, das bedeutet für mich ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren. Und es bedeutet: Abwechslung. Vor Kurzem hatte ich z. B. meine erste Trauung, bald stehen wieder zwei Sonntagsgottesdienste und ein Einschulungsgottesdienst an, mit der Kinderkirche starten wir neu durch. Das sind nur die größeren Projekte … Hinzu kommen „ganz normale“ Konfirmandenstunden, Gemeindenachmittage, (Geburtstags-) Besuche, Sitzungen etc. Nicht zu vergessen die Schreibtischarbeit, die mal nett und mal lästig ist. Mir gefällt besonders diese Vielfalt. Okay, vielleicht wäre es manchmal einfacher, man verließe morgens um acht Uhr das Haus und säße für eine genau vorhersehbare Zeit in irgendeinem Büro. Bei mir sieht jeder Tag anders aus. Ich mag das sehr. Und auch all die geplanten und ungeplanten Begegnungen mit verschiedensten Menschen.

Vikariat und Familie: geht das?
Zugegebenermaßen bedeutet das Vikariat auch eine Herausforderung für die Familie: Mal bin ich zum Mittagessen da, mal nicht. Zwischendurch bin ich wochenlang im Predigerseminar in Loccum. Mein zweijähriger Sohn verbringt die meisten Tage bei einer Tagesmutter. Abends meist nicht. Da ich aber auch abends Termine habe, nicht selten auch spontan, bleibt dann mein Mann zu Hause. Geht das nicht, braucht es eine Babysitterin. Wir alle mussten uns da erst hineinfinden. Zumal die Tage und Wochen so unterschiedlich sind und oft auf Ungeplantes schnell reagiert werden muss, ist es manchmal nicht einfach und geht nur mit viel Kommunikation und Bereitschaft aller Beteiligten. Aber wir sind gut angekommen. Und auch der Kleine macht den ganzen Trubel gut mit!

Predigerseminar Loccum
Ins Predigerseminar nach Loccum kann mein Sohn übrigens mitkommen: Dort gibt es eine Kindertagesstätte. Auf diese Weise sind wir nicht so lange voneinander getrennt und es ist für uns beide immer wieder eine schöne und intensive Zeit. Überhaupt: Vikariat und Familie. Da bin ich keine Einzelkämpferin. Unser Kurs besteht aus 25 Vikaren und wir bringen insgesamt wohl 14 Kinder zusammen. Es wird echt viel für uns Eltern gemacht, damit das gehen kann!