Anna Katharina Schmidt

Moin! Ich bin Anna Katharina Schmidt, 25 Jahre alt und vor wenigen Wochen nach Göttingen gezogen. Mein Grundstudium habe ich in Marburg gemacht, nach der Zwischenprüfung bin ich an die Universität Hamburg gewechselt.

Das Grundstudium habe ich knallhart in fünf Semestern durchgezogen (inklusive Latein, Altgriechisch und Hebräisch!) Irgendwann im 7. Semester war dann die Luft raus. Ich hatte das Gefühl, an der Uni Hamburg nichts zu lernen, habe mich jedoch gleichzeitig komplett überfordert gefühlt. Verzweiflung hat sich breit gemacht, mich quälten Fragen wie: „Wie soll ich jemals mein Examen schaffen? Will ich überhaupt noch weiterstudieren? “

Besser eine Auszeit als ein Burnout
Also zu ich die Notbremse und lies mich für ein Semester beurlauben. Ein Urlaubssemester ist gut, um den Studiengang und den Lebenslauf zu überdenken, ohne gleich alles hinzuschmeißen. Einmal keine Fristen, keine Termine, keinen Druck zu haben, das tat unheimlich gut. Zeit für mich und für Dinge, die ich immer schon mal machen wollte. So habe ich angefangen Orgelunterricht zu nehmen, einen Nähkurs besucht, endlich mal wieder Krimis gelesen, aber auch Bücher mit Theologiebezug, Einführungsliteratur u. v. m. Im Unialltag fehlte mir dazu oft die Lust, weil so viele andere Texte fürs Studium gelesen werden müssen. Nun konnte ich mich z. B. einmal ganz in Ruhe mit Dorothée Sölle auseinandersetzen.

Ich habe mir während dieser Auszeit sehr viele Gedanken um die Zeit nach dem Urlaubssemester gemacht. Dabei kam schon nach wenigen Wochen die Erkenntnis: Es liegt nicht an mir oder am Studiengang, es liegt an der Uni. Ich möchte weiter Theologie studieren! Ein erneuter Uniwechsel fühlte sich für mich richtig an.

Das Theologiestudium dauert laut Plan 12 Semester (6 Jahre), in der Praxis sind es häufig noch ein paar mehr. Eine lange Zeit, die an den Nerven zehren kann. Ich möchte jeder und jedem Mut machen, sich eine solche Auszeit zu nehmen, wenn er oder sie das Gefühl hat, dass das Studium zu einer ernsthaften Belastung wird. Es geht nun mal nicht immer höher, schneller, besser, weiter. Niemand hat etwas davon, wenn der endgültige Zusammenbruch im Examen kommt oder man spätestens im Vikariat kurz vorm Burnout steht.

Mit Lust und frischer Energie
Da ich nach wie vor (vielleicht mehr denn je?) riesige Lust auf den Pfarrberuf habe, werde ich die letzten Semester, die mir jetzt noch bevorstehen, mit frischer Energie und viel Freude angehen.

Der Bezug zur Berufspraxis ist in den universitären Veranstaltungen häufig nicht erkennbar (das habe ich nicht erst in Hamburg gemerkt). Wem, wie mir, dieser Bezug jedoch wichtig ist, der sollte immer wieder selbst versuchen, bewusst Bezüge und Verbindungen herzustellen. Dann macht das Studieren gleich viel mehr Spaß.

Anna Katharina Schmidt