Björn Kraemer

Wie aus dem „Hobby“ Ehrenamt in der Jugend
ein professioneller Diakon wird

Bereits als Jugendlicher habe ich mich ehrenamtlich in der Evangelischen Jugend Delmenhorst/Oldenburg-Land engagiert: Bei zahlreichen Konfirmandenprojekten, Freizeiten, Schulungen und weiteren Projekten habe ich mitgewirkt.

Allerdings habe ich zu dieser Zeit noch keinen Gedanken an die Möglichkeit verschwendet, mein Hobby irgendwann zum Beruf zu machen. Erst als ich am Ende der Schulzeit angekommen war, stellte sich unweigerlich die Frage: „Schule vorbei, Zivildienst kommt –aber dann?!“

Ich habe mich dann erst mal entschieden, Chemie und Mathematik auf Lehramt für das Gymnasium zu studieren. Meine Motivation war, Lehrer werden zu wollen. Das heißt: Ich wollte mit Schüler*innen arbeiten, sie begleiten und ihnen etwas beibringen. Aber ich merkte, dass dieses Studium das überhaupt nicht hergab: Es versorgte mich fast ausschließlich mit theoretischen Kenntnissen meiner Fächerkombination. Pädagogik und Didaktik spielten nur eine Nebenrolle.

„Ja! Genau das willst du machen!“

Alternativ hatte ich Soziale Arbeit immer noch im Hinterkopf, weil mir die ehrenamtliche Arbeit mit Jugendlichen nach wie vor großen Spaß bereitet hatte und ich das Gefühl hatte, dort etwas bewegen zu können. Nachdem der Entschluss zum Studienwechsel gefallen war, stieß ich online auf den Studiengang „Religionspädagogik und Soziale Arbeit“ an der Hochschule in Hannover und dachte:
„Ja! Genau das was da steht, das willst du machen!“ Meine Motivation zu diesem Studium ist also aus dem ehrenamtlichen Engagement als Jugendlicher entstanden. Aber offensichtlich brauchte ich noch einmal den Umweg über ein anderes Studium, bevor ich bereit war, dieses Hobby dann doch zu meinem Beruf zu machen.

Lernen und Leben auf dem Campus
Besonders reizvoll an dem Studium „Religionspädagogik und Soziale Arbeit“ in Hannover finde ich die Verknüpfung zweier Fächer zu einem Studiengang mit zwei Abschlüssen. Während des Studiums erlernt man viele Grundlagen. In Seminaren, Vorlesungen und Prüfungen der Religionspädagogik: Didaktik, Seelsorge, Gestaltung von Gottesdiensten, Theologie und vieles mehr. In der Sozialen Arbeit: Recht, Ethik, Methoden, Beratung und vieles mehr.

Zahlreiche Praktika sorgen für einen guten Bezug zwischen Theorie und Praxis. Das Lernen in der Gemeinschaft mit den Studierenden macht unglaublich Spaß und der Zusammenhalt aller ermöglicht viele gute Projekte im Team. Besonders genossen habe ich die wöchentlich stattfindenden Andachten in der Kapelle auf dem Campus der Hochschule in Hannover.

Neben all dem bleibt natürlich auch Zeit für das typische Studenten*Innenleben. Dafür ist Hannover eine gute Adresse! Gerade durch das Engagement der Studierenden vor Ort, die zum Beispiel ein Café selbst betreiben und sich für Partys am Campus einsetzen. Damit wird der Campus über das reine Lernen hinaus zum Mittelpunkt des Lernens und Lebens.

Lernen für die Praxis: non scholae, sed vita discimus
Das Studium bereitet sehr gut auf die praktische Arbeit als Diakon*in vor: Das habe ich bereits durch die Einflüsse auf meine ehrenamtliche Arbeit während des Studierens gemerkt und es bestätigt sich bis heute im Hauptamt. Während meines Engagements in der Studienzeit konnte ich erlernte Dinge direkt in der Praxis ausprobieren. Zum Beispiel, wie Schulungseinheiten didaktisch sinnvoll konzipiert oder Andachten vorbereitet und gefeiert werden können. Auch hat sich durch die theoretischen Kenntnisse mein Blick auf die Arbeit verändert: Viele Dinge reflektiere ich heute anders und ziehe andere Konsequenzen als es mir in meiner Zeit als Ehrenamtlicher möglich gewesen wäre.

Das Studium ist unglaublich vielfältig und gewährt gute Einblicke in verschiedenste Bereiche der Religionspädagogik und der Sozialen Arbeit. Das ausgewogene und für mich stimmige Verhältnis zwischen Theorie und Praxis hat mir besonders gefallen: Die Praktika während des Studiums waren unglaublich wichtig!

Begleiteter Start ins Berufsleben: mein Anerkennungsjahr in der Oldenburger Kirche
Auf das Studium folgt ein Anerkennungsjahr, auch „integriertes Berufspraktikum (IBP) genannt. Dazu habe ich mich schon früh um eine Stelle in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg bemüht: Ich wollte wieder zurück in den „echten Norden“ – meine Heimat. So bin ich für die Zeit des Anerkennungsjahres im Evang. Kreisjugenddienst des Kirchenkreises Oldenburg-Stadt gelandet.

Für mich hat die Oldenburger Kirche viele Vorteile: In ihrer doch recht überschaubaren Größe sehe ich viele Chancen für eine gute gemeinsame Arbeit ihrer Hauptamtlichen. Und natürlich sind mir durch mein Engagement als Jugendlicher viele ihrer Strukturen und Arbeitsweisen bekannt, insbesondere was die Evangelische Jugend betrifft. Außerdem war für mich die in Oldenburg übliche Anstellung auf landeskirchlicher Ebene ein wesentliches Kriterium.
Perspektivisch sehe ich in dem noch neuen Diakon*innenstellenplan mit seiner Erweiterung des bisherigen Berufsfeldes sehr motivierende Chancen und Potenziale.

Im Team „in die Arbeit hineinwachsen“
Für mich war das Anerkennungsjahr von Beginn an weniger ein Praktikum, sondern vielmehr ein „begleiteter Start in das Berufsleben“. Natürlich habe ich mir zu Beginn viel angeguckt, bin mit den Kollegen*innen durch den Kirchenkreis gefahren und konnte auf diese Weise schnell Kontakte zu den Jugendlichen aufnehmen. Nach und nach bin ich immer mehr in die Arbeit hineingewachsen. Ich bekam Möglichkeiten, Veranstaltungen mit zu planen, mich selbst auszuprobieren und zunehmend mehr eigenverantwortlich Angebote zu gestalten. Das geschah immer in der Gewissheit der Unterstützung durch die Kollegen*innen! Auch das Wissen um die Möglichkeit, Aufgaben abgeben zu dürfen, wenn man sich in den vielfältigen, neuen Herausforderungen verzettelt hat, trug viel zu einem guten Start in den Beruf bei.

Begleitet wurde mein Anerkennungsjahr durch eine „Anleiterin“: Sie stammte aus dem Kreis der Berufskolleg*innen vor Ort. In regelmäßigen Gesprächen unter vier Augen konnte ich meine Arbeit reflektieren, bekam Anregungen und überhaupt: hatte eine Ansprechpartnerin für alle Belange des Berufsalltags, seine Organisation bis hin zu den Fragen der eigenen Abgrenzung (work-life-balance).

„Mit den Herausforderungen konfrontiert – ohne Überforderung“

Darüber hinaus gibt es die begleitenden Blockveranstaltungen der Hochschule in Hannover: Sie sind für alle Berufspraktikant*innen der Hochschule obligatorisch. Neben der Reflexion der Praxis fand ich dort auch dem Austausch und Kontakt mit Kolleg*innen anderer Kirchen bereichernd.

Für mich stellt das Anerkennungsjahr eine gute Möglichkeit dar, begleitet und angeleitet, aber trotzdem voll und ganz in den Berufsalltag einzusteigen. Man ist mit den Herausforderungen des Berufs konfrontiert, ohne sich allein und überfordert zu fühlen!

Fazit am Ende meines Anerkennungsjahres: Das zurückliegende Jahr war eine gute Möglichkeit, den Übergang von der Theorie des Studiums in die Berufspraxis zu gestalten, sich auszuprobieren, erste Berufserfahrungen zu machen und so die eigene Rolle als Hauptamtlicher zu finden.

Björn Kraemer