Henning-Menke

Spät berufen, nie bereut

Hätte man meiner Familie oder meinen Freunden während meiner Kindheit und frühen Jugend erzählt, ich wolle einmal Pfarrer werden, sie wären mutmaßlich einer nach dem anderen vor Lachen vom Stuhl gefallen. Zwar glaube ich – solange ich denken und mich erinnern kann – aus tiefstem Herzen an den Gott der Christenheit, doch hatte dies nie große Auswirkungen auf mein angestrebtes Berufsziel. Sportjournalist, das und nichts anderes wollte ich seit Kindergartentagen werden. Und so begab es sich schließlich, dass ich nach Abitur und Wehrdienst insgesamt sechs Jahre lang als freier Journalist für die Sportredaktion der Nordwest-Zeitung in Oldenburg gearbeitet habe. Die Aufgabe dort hat mir zumeist auch große Freude bereitet und mich doch erkennen lassen: Das möchte ich nicht mein ganzes Leben lang tun. Aber was nun?

Neue sportliche Herausforderung

Nach wochenlangem Überlegen, sicher hundertfachem Abwägen und zähem Ringen stand mein Entschluss endlich fest: Ich werde Pfarrer! Was im Rückblick so leicht und selbstverständlich klingen mag, war damals ein echter Paukenschlag, innerhalb meiner Familie eine riesige Überraschung und in den Reihen meiner verdutzten Freunde eine Sensation. Man stelle sich das vor: Ich und auch sonst niemand in meinem engeren Umfeld hatten jemals wirklich etwas mit einem wie auch immer gearteten Gemeindeleben zu tun oder waren gar regelmäßige Kirchgänger. Ganz im Gegenteil: Vor allem viele meiner besten Freunde waren und sind – weiß Gott! – keine gläubigen Menschen. Und trotz alledem nun also diese schwerwiegende Entscheidung!

Auf der richtigen Seite stehen

Zu sagen, dieser Schritt sei leicht gewesen und hätte keine größeren Auswirkungen im Privaten gehabt, wäre gelogen. Diesen Weg zu wählen, hat mein Leben auf den Kopf gestellt und die Beziehungen zu meinen Mitmenschen unumkehrbar verändert – positiv wie negativ. Von nun an war und bin ich immer der „etwas Andere“. Das muss man aushalten können. Aber ich möchte sogleich beruhigen: Es ist auch auszuhalten, und die Entscheidung für das Theologiestudium war die beste meines Lebens. Nur im Pfarrberuf kann ich ohne jede Ausnahme für (!) die Menschen arbeiten und stehe immer (!) auf der Seite, von der wir glauben, dass es die Seite Gottes ist. Diese Gewissheit bietet kaum ein anderes Berufsfeld. Ganz besonders mein Gemeindepraktikum in Eversten-Nikolai bei Pfarrer Thibaut hat mir dies noch einmal deutlich vor Augen geführt. Es war die mit Abstand schönste Zeit meines Studiums.

Kraft aus dem Mut zum Bekenntnis

Und so befinde ich – Henning Menke, mittlerweile 31 Jahre alt – mich nun inmitten meiner Examensvorbereitung an der Universität Göttingen und möchte hiermit allen Mut machen, denen es in ihrer Entscheidungsfindung vielleicht ähnlich ergehen mag, wie es mir ergangen ist. Bekennt euch zu eurem Glauben und traut euch den Pfarrberuf im Oldenburger Land zu. Der Weg ist ganz sicher steinig, und nicht jeder schafft ihn in einem Stück. Aber zumindest an eurer möglichen Ängstlichkeit vor einem derart offensiven Bekenntnis zu Jesus Christus muss eure Berufung ganz sicher nicht scheitern. Und so halte ich es auch weiterhin mit Paulus von Tarsus, der so treffend gesagt hat: „Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“ (Röm 1,16)