Meine Berufung zum Pastor: früh vernommen, später verstanden

Johannes Böckmann

Studienort: Marburg

Schon mit 15 Jahren wusste ich, dass ich Pastor werden möchte. Warum, das wusste ich noch nicht, aber das ließ sich ja herausfinden. Also machte ich mich auf eine Reise, deren Ziel ich zwar kannte, aber deren Verlauf mir völlig unbekannt war und zum Teil immer noch ist.

Mein Name ist Johannes Böckmann, ich bin Musiker, Träumer, Student, Romantiker, heimlicher YouTube-Fan, Realist und Zweifler. Ich glaube, also bin ich. Also bin ich Christ. Das war nicht immer so – das mit dem Glauben. Früher, als ich noch dachte, alles wäre einfach, als immer die Sonne schien und frischer Milchreis im Kühlschrank stand, da war ich mir ziemlich sicher, dass es nicht wirklich einen Gott gibt. Agnostisch räumte ich ein, dass dies sehr wohl möglich sei, aber Gott zu brauchen, konnte ich mir nicht vorstellen. Überhaupt gefiel mir die Vorstellung nicht, dass da einer auf seinem wolkigen Thron sitzt und die Erde regiert. Diese Idee gefällt mir immer noch nicht, aber ich habe sie mit meinen Kindertagen im Sandkasten zurückgelassen.

Vorbildlich: Männer des Wortes – und der Tat
Ich weiß nicht mehr genau, wie ich darauf gekommen bin, Pastor werden zu wollen. Vielleicht gefielen mir die von absolutem Erstaunen geprägten Gesichter meiner Mitschüler, oder das regelmäßige Nachfragen meines Vaters, ob es immer noch meinen Plänen entspreche, den Pfarrberuf zu ergreifen. Jedenfalls begann ich, es immer ernster zu meinen. Und die Aussicht gefiel mir sehr. Viele meiner Vorbilder waren (und sind) Pastoren, unterrichteten mich an der Schule, beeindruckten mich in der Predigt – und mit ihrem Engagement. Auch die Kirche, der ich als Organisation immer sehr kritisch gegenüber stand, erschien mir langsam freundlicher. Es entspricht vielleicht nicht alles an ihr genau meinen Wünschen für eine Gemeinschaft der Christenheit, aber daran kann man nur arbeiten, wenn man an der Kirche mitarbeitet.

Das fängt ja gut an: um zehn zum Tee
Mein erster Schritt darauf zu war es, beim Pfarrer anzurufen. Pastor Hilgen hatte uns im Konfirmandenunterricht halb scherzhaft vorgeschlagen, unser Schulpraktikum bei ihm zu machen, damit wir mal sehen, dass auch Pastoren richtig arbeiten, wie andere Leute auch. Wenig überraschend: Der Einzige von zehn Konfirmanden, der dieses Angebot annahm, war ich. Die zwei Wochen Gemeindepraktikum gefielen mir sehr gut. Woran ich mich am besten erinnere, ist die Besprechung mit meinem 2-Wochen-Chef zwei Tage bevor es los ging. Er sagte: „Komm mal Montag so gegen zehn.“ Alle anderen Schüler mussten zu solch gottlosen Uhrzeiten wie sieben oder acht Uhr anfangen zu arbeiten, ich traf mich um zehn zum Teetrinken. Ich hatte meine Berufung gefunden!

Ein wahrhafte Aufgabe
Der Rest der Woche war sogar noch besser! Ich begann, ein wenig in der Bibel zu lesen. Die Botschaft des Evangeliums gefiel mir: Am kommenden Reich Gottes mitarbeiten, das war doch mal eine Aufgabe. Ich wählte Religion als Abi-Leistungskurs. An unserer Schule hatte es seit Menschengedenken keinen evangelischen Religionskurs mehr gegeben, weil wir eine winzige Minderheit im Landkreis darstellten. Um noch mehr zu lernen und aktiv in der Gemeinde zu werden, entschloss ich mich, an der Lektorenausbildung in unserer Gemeinde teilzunehmen. Ich wurde als Lektor eingeführt und bestand mein Abitur.

FSJ im Pfarramt: „Mein Ritt nach Damaskus“
Als nächstes beschloss ich, um mir wirklich sicher zu werden, den Beruf, die Gemeinden, die kirchlichen Strukturen und mich selbst besser kennenzulernen, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Pfarramt zu absolvieren. Als zweiter in der gesamten Landeskirche.

Dieses Jahr war die bereicherndste Zeit meines Lebens. Es war beeindruckend und machte mich bescheiden. Ich erlebte die Kirche, die Gemeinde, mich selbst und den Glauben völlig neu. Je mehr ich lernte, desto mehr half es mir, in meinem Leben und mit mir selbst klar zu kommen. Jetzt bin ich mir sicher, dass und warum ich Pastor werden möchte.

Johannes Böckmann